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aNotHeR dAy iN pARaDiSe

die vergangenen wochen haben sich mal wieder nicht lumpen lassen-

manchmal hat man das gefühl, vom leben eine breitseite nach der anderen verpasst zu bekommen. nur, um mal zu sehen, wie lange man durchhält. und aus den ganzen „herausforderungen“ kommt man dann gestärkt hervor- frei nach dem motto „was uns nicht umbringt, macht uns stark“.
juhu, kann ich dazu nur sagen. danke, ich habe den wink mit dem zaun verstanden. entweder, ich bin ein emotionales sensibelchen, oder das leben macht, was es will. manchmal bist du der hund und manchmal der baum, sagt ein englisches sprichwort. da frage ich mich doch, wer gerade die schlange an hunden neben mir angebunden hat, oder ist das vielleicht doch tatsächlich nur der rasensprenger? was auch immer es ist, es ist feucht und läuft mir wortwörtlich bis zu den wurzeln hinunter...

eigentlich bin ich studentin. aber nach einem unfreiwilligen, unvollendeten erststudium habe ich den studiengang  gewechselt und mir nach dem ersten semester des zweitstudiums erstmal ein urlaubssemester gegönnt-
nein, nicht um längst überreifen träumen und reisewünschen endlich  zur erfüllung zu verhelfen, sondern um ein 6-monatiges praktikum in einer werbeagentur zu absolvieren.
ob man es glaubt oder nicht, die werbebranche ist falsch. die grafikprogramme der hochleistungsmacs dieser welt holen an optischen optima mit retusche und verzerrung, pixeloptimierung und ähnlichen tricks alles aus fotos heraus, was man sich nur vorstellen kann, oder was eben schon gar nicht mehr vorstellbar ist.
diese ehre fällt mir teilweise auch zu, allerdings bin ich praktikantin im text- ein traum! mit worten jonglieren, wie andere mit kegeln oder bällen. das liegt mir. meistens... natürlich widerstreben mir einige dinge, die ich da zusammenschreiben darf/soll/muss, wenn sich der inhalt mit meinem gewissen so gar nicht vereinbaren lässt. aber wer die qual hat, hat die wahl. das praktikum bringt mir auf gewisse weise erfüllung- vollzeit, 5 tage die woche, 40 stunden plus überstunden, was sonst. also bis dahin eine gute 50 stunden woche.

gott sei dank haben wir wochenenden, die der normalsterbliche frohgemuts zur erholung nutzt. schön für ihn! ich kann gar nicht genug vom arbeiten bekommen und so eile ich, natürlich freudestrahlend, an samstagen und sonntagen in das eventrestaurant und/oder den club meines vertrauens, um dort weitere 20 stunden zu meiner arbeitswoche zu addieren! ist das leben nicht schön?
da ich keine zeit habe, mein verdientes geld auszugeben, sollte sich eigentlich ein glänzender turm im verließ meiner bank türmen... eigentlich ist ein wunderbares wort! schön, wenn man eltern hat, die geld zurückfordern, was sie einem mal geschenkt hatten. schön, wenn man eltern hat, die einen bei den kosten, die ein führerschein so mit sich bringt, nicht unterstützen. schön, wenn diese einem dann auch sonst nirgendwo unter die arme greifen- urlaub? du verdienst doch dein eigenes geld! gleiches gilt für private bespaßung, wenn dann doch mal irgendwo eine überraschende lücke in der tagesplanung auftaucht, für kleidung und alles, was sonst noch so anfällt.

aber ich kann mich glücklich schätzen- ich muss wenigstens keine miete bezahlen, obwohl ich das dachgeschoss zu hause als mein reich bezeichnen darf! ha! ha!

noch nicht...
wenn man dann noch zu hören bekommt, man solle doch nicht so viel arbeiten und sich mal wieder mehr ruhe und schlaf gönnen, wen wunderts, wenn man da nasenbluten vor unterddrücktem ärger bekommt?! es lebe die glückliche deutsche vorzeigefamilie!
und gott sei dank ist weihnachten auch wieder auf dem vormarsch. seit geschlagenen anderthalb monaten, aber wir wollen für den kapitalismus mal ein auge zudrücken. und zur feier des tages, wird auch meine familie dieses jahr wieder an heilig abend glücklich vereint am tisch neben dem weihnachtsbaum sitzen und liebe heucheln! o du selige, gnadenbringende weihnachtszeit...